Schon kurz nach Beginn der Besetzung Krakóws durch die deutsche Wehrmacht ab dem 6. September 1939, fingen die Vorbereitungen für die Errichtung eines jüdischen Ghettos im Stadtteil Podgórze an. Zahlreiche Einschränkungen für die jüdischen Bürger_ innen aller Gesellschaftsschichten schlossen sich an. Ihr Schicksal war die völlige Isolation innerhalb des Krakauer Ghettos, sie verloren ihr gesamtes Vermögen, Wohnungen und Arbeitsstellen. Sie mussten sich mit einer Armbinde und dem bekannten Symbol des Davidsterns an der Kleidung kennzeichnen und durften sich nicht mehr frei in allen Gebieten bewegen. Krankenhäuser, Geschäfte und S-Bahn-Plätze wurden für sie verboten.

Viele Juden wurden kurze Zeit später bereits in verschiedene Konzentrationslager abtrans- portiert, sodass von den im Jahr 1938 noch insgesamt 64.000 Menschen nur ca. 15.000 im Krakówer Ghetto blieben. Die Häuser des Stadtteils Podgórze wurden frühzeitig beschlagnahmt und somit bestand das Krakauer Ghetto aus circa 320 ebenerdigen Häusern, die von einer Mauer umgeben waren und durch die Polizei bewacht wurden. Jene Mauer haben die jüdischen Bürger_innen größtenteils selber – in Zwangsarbeit – errichten müssen.

Kraków, „Reste der Deportation“, März 1943. Aus: Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv.

Die bereits erwähnten Deportationen fanden im Juni und im Oktober 1942 statt und en- deten sehr blutig. Damals waren es insgesamt etwa 4.000 Juden, die in Vernichtungslager transportiert wurden. Die Nazis begannen dann im Frühjahr 1943 mit der planmäßigen Liquidierung des gesamten Krakauer Ghettos, in dessen Verlauf die Arbeitsfähigen in verschiedene Lager (u. a. auch nach Auschwitz) deportiert wurden und die Arbeitsunfähigen sowie Alte, Kranke und Kinder sofort an Ort und Stelle erschossen wurde. Danach wurden die Mauern eingerissen und das Gebiet wie- der zu einem offenen Viertel erklärt. Das ist auch der Grund dafür, warum man heute auf dem ehemaligen Ghettogelände keine bzw. nur wenige Spuren aus der Zeit des Ghettos wiederfindet.

Das wohl markanteste Überbleibsel aus jener Zeit stellt die „Apotheke zum Adler“ (Apoteka pod Orlem) dar. Sie war damals ein zentraler Punkt des Ghettos und beherbergt heute ein Museum, welches mit einer Fotoausstellung an die Zeit des Ghettos erinnert. Wenige Teile der Ghettomauern sind noch erhalten und ähneln mit ihren Verschnörkelungen und Zierbögen eher der Umzäunung eines Schlosses als der eines todbringenden Ghettos.

»Durch die Besatzungspolitik verloren zwischen 5 und 6 Millionen polnische Staatsbürger ihr Leben, darunter ca. 3 Millionen polnische Juden.«