Die Stadt Kraków (ausgesprochen: Krakuf, Deutsch: Krakau) liegt im Süden Polens. Erste Hinweise auf die Existenz Krakóws stammen etwa aus dem 7. Jahrhundert. Aus der Zeit lassen sich menschliche Siedlungsspuren auf dem Wawel nachweisen, einem im Stadtgebiet befindlichen Tafelberg an der Weichsel. Aus dem Jahr 965 stammt das erste Schriftstück über Krakau, in dem der jüdische Handelsmann Ibrahim ibn Yaqub aus Cordoba in seinem Kontenbuch auf das Handelszentrum Krakau verwies
Mit der Herrschaft der Piasten, der ersten polnischen Fürstendynastie, erfolgte am Ende des 10. Jahrhunderts die Christianisierung der Stadt. Zu dieser Zeit wurde auch das Krakówer Bistum eingerichtet und das Wawel-Schloss sowie mehrere Kirchen gebaut. Infolgedessen wuchs die Stadt stark an.
1038 erklärt der Polnische König Kraków zur Hauptstadt und später wird sie sogar zur Krönungsstadt. Zu dieser Zeit zählt Kraków 14.000 Bürger_innen und erlebt eine 200-jährige Blütezeit, vor allem im Bereich der romanischen Baukunst. Diese Entwicklung wurde ganz plötzlich durch den Einfall der Mongolen 1241/42 gestoppt, bei dem Kraków niedergebrannt wurde.
1257 wurde Kraków das Stadtrecht zugesprochen und mit dem Wiederaufbau begonnen. Eine Wehranlage mit schachbrettartigem Straßenmuster, in dessen Zentrum ein Hauptplatz von 200 x 200 m Größe liegen sollte, wurde errichtet. Darüber hinaus wurde eine Verteidigungsmauer aufgebaut, die die Stadt umgab und sie mit dem Wawelhügel verband. Diese Stadtanlage ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Im gotischen Kraków des 13.–15. Jahrhunderts entstanden viele Gebäude, die auch noch heute erhalten sind und das Bild der Stadt prägen.
Ende des 15. Jahrhunderts besiedelten Juden das spätere Krakówer Stadtviertel Kazimierz. 1364 wird in Kraków die erste Universität von König Kazimierz Wielki gegründet: die Jagellonen-Universität. Sie war die erste Universität Polens und nach Prag (1348) die zweite Universität in Europa.
In der Folgezeit erlebte Kraków wieder eine ausgesprochene Blütezeit mit verschiedenen Einflüssen, hauptsächlich der Renaissance – unter anderem wurde das Wawel-Schloss im Stil der Renaissance umgebaut. Seit dem 10. Jahrhundert diente es als Residenz für die verschiedenen Herrscherdynastien. Aktuell befindet sich im Wawel-Schloss die Staatliche Kunstsammlung. 5 Ebenso wurde während jener Blütezeit die bekannte Zygmunt-Kapelle errichtet und die Tuchhallen sowie Patrizierhäuser wurden restauriert. 6 Jene Tuchhallen waren seit dem 13. Jahrhundert der zentrale Handelsort für Tuch und weitere wertvolle Waren. Handel und Handwerk entwickelten sich prächtig – es gab allein 60 Zünfte in der Stadt. In Kraków wurden die ersten liturgischen Werke in kyrillischer Schrift gedruckt, es beherbergte die erste Poststelle Polens und eröffnete das erste Gymnasium in Mitteleuropa mit weltlicher Lehrrichtung.
1596 jedoch wurde Kraków das Hauptstadtrecht genommen, und zwar von König Zygmunt III. aus der Wasa(Vasa)-Dynastie. Er war zugleich König von Schweden und verlegte den Hauptsitz nach Warschau, damit der Weg nach Schweden nicht so weit war. Mit König Zygmunt III. erhielt auch die barocke Stilrichtung Einzug in Kraków (z. B. Universitätskirche).
Kraków verlor seine Vormachtstellung, behielt aber den Titel der „königlichen Hauptstadt“ und blieb weiter der Ort für Krönungen und Begräbnisse. In der Folgezeit litt Kraków unter schweren Verwüstungen durch eine Vielzahl von Armeen, die während der Jahrhunderte durch Polen zogen und auch Kraków belagerten. Die vielfältigen Aufteilungen Polens durch seine Besatzer trugen das Ihre dazu bei.
Ab 1846 verlor Kraków dann seine Unabhängigkeit an Österreich. Auf dem Wawel, wo das Wawel-Schloss stand, wurden verstärkte
Befestigungsanlagen und Kasernen gebaut. Die Österreicher erwiesen sich allerdings als weniger tyrannisch. 1850 kam es zu einem Großfeuer, das zehn Tage wütete und in dessen Folge die Stadt fast vollständig niederbrannte und viele Einwohner_innen starben. Ab 1918 erlangte Kraków seine Unabhängigkeit zurück.
Allerdings blieb Kraków nach dem Ersten Weltkrieg lediglich eine kurze Zeitspanne von 20 Jahren Freiheit vergönnt, bis diese mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht 1939 abrupt beendet wurde. Als Machtdemonstration führten die deutschen Besatzer Anfang November 1939 die „Sonderaktion Krakau“ durch: 184 Professoren_innen und Mitarbeiter_innen der Universität wurden verhaftet. Hochschulen, Gymnasien, Museen und Theater wurden geschlossen.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten in Kraków ca. 260.000 Einwohner, davon 65.000 Menschen jüdischen Glaubens. Wie überall, wurde in Kraków die jüdisch gläubige Bevölkerung zum Ziel der deutschen Vernichtungspolitik. Der jüdische Stadtteil Kazimierz wurde größtenteils vernichtet. Für die Juden wurde das Krakówer Ghetto im Stadtteil Podgorze eingerichtet, von wo sie entweder sofort hingerichtet oder später nach Ausschwitz deportiert wurden. Kaum einer der im Ghetto Zusammengeführten überlebte die Zeit der deutschen Besatzung. Vertreter_innen der polnischen Wissenschaft und Kultur waren ebenfalls der Verschleppung und Vernichtung preisgegeben.

Judenlager Krakau

Kraków „Judenlager“, Dez. 1939, Bundesarchiv, Bild 121-0295 / CC-BY-SA. Aus: Wikimedia Commons, dem freien Medienarchiv.

Die Nationalsozialisten organisierten zwar großflächig angelegte Plünderungen, doch es kam zu keinen kriegerischen Kampfhandlungen im Stadtgebiet. Somit ist Kraków die einzige größere polnische Stadt, die der Zerstörung entging. Krakóws alte prestigeträchtige Architektur ist daher noch weitestgehend erhalten geblieben.
Während der Zeit der Besatzung entwickelte sich in Kraków eine sehr aktive Widerstandsbewegung, die sich beispielsweise in konspirativen (= geheimen, illegalen) Bildungseinrichtungen zusammenschloss. Hier konnte man seinen Gymnasial- oder Hochschulabschluss machen.
Am 18. Januar 1945 wurde die Stadt, die bereits aufgrund der „Verbrannte-Erde-Taktik“ der Deutschen gesprengt werden sollte, von der Sowjetarmee befreit.
Danach bemühten sich die Stadt sowie seine Bevölkerung um einen schnellen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Kraków wurde insbesondere für die Ansiedlung industrieller Unternehmen bevorzugt. Im Zuge dessen versuchte die Stadt, die Bevölkerung mit der Errichtung des großen Stahlwerks „Nowa Huta“ nebst Arbeitersiedlung zu begeistern. Nachdem im Jahr 1939 in Kraków 260.000
Einwohner_innen gezählt wurden, stieg diese Zahl nach Kriegsende sehr sprunghaft an und steht heute bei einer 3⁄4 Million.
Exkurs „Nowa Huta“
Nowa Huta steht symbolisch für die polnische Industrialisierung nach dem 2. Weltkrieg. Übersetzt bedeutet es „Neue Hütte“ und meint einen Metallverarbeitungsbetrieb in Kombination mit einer Hütte, kurz: ein Eisenhüttenkombinat.
Während der Besatzung durch die Sowjetunion wurde Nowa Huta durch die Mithilfe von zahlreichen Arbeiter_innen erschaffen und bot ihnen zugleich eine gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeit. Zu jener Zeit arbeiteten rund 30.000 Menschen hier und die Trabantenstadt bot etwa 250.000 Menschen ein Zuhause. Es sollte eine Symbolkraft von Nowa Huta ausgehen. In Form einer gusseisernen Lenin-Statue im Zentrum sollte darauf hingewiesen werden, wie sehr die kommunistischen Machthaber aus jenem Viertel eine Vorbildstadt nach sozialistischem Prinzip der Sowjetunion kreieren wollten.
Von Nowa Huta gingen später auch große Teile der oppositionellen Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ aus. Die polnische Arbeiterschaft verbündete sich hier gegen die kommunistischen Machthaber aus der Sowjetunion.

Siehe dazu auch:
http://www.krakau­reisen.com/nowa­huta­der­arbeiter­ stadtteil,info2,30.html