Eingangstor Auschwitz Stammlager

„Einer der SS-Männer hielt am ersten Abend eine Rede, die uns von zwei Polen, die Deutsch sprachen, übersetzt wurde: ‘Ihr seid hier nicht in ein Sanatorium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrationslager, aus dem es keinen anderen Ausweg gibt als durch den Schornstein des Krematoriums. Wenn das jemandem nicht gefällt, kann er ab sofort in den Draht gehen. Wenn in einem Transport Juden sind, haben sie kein Recht länger zu leben als zwei Wochen, die Priester einen Monat und die übrigen drei Monate’. Dieser SS-Mann war Karl Fritzsch, der 1. Schutzhaftlagerführer.“

(Jerzy Hronowski in Hronowski 2008)

 

Schreibstube Auschwitz Stammlager

„Eines Tages kam der Schreiber des Krankenbaus, Stephan Heymann, und sagte mir, er brauche mich in der Schreibstube. Warum er mich brauchte, habe ich schnell gemerkt. Stefan Heymann war der Leiter der Widerstandsgruppe im Lager. Meine Tätigkeit war die eines Läufers. Ich musste die Zu- und Abgänge im Krankenbau mit den Blöcken, der Schreibstube und dem Arbeitsdienst arrangieren und kam dadurch in alle Winkel des Lagers. Außerdem beteiligte ich mich nach wie vor morgens und abends in der Ambulanz, um Verbände anzulegen. Eine meiner ersten Arbeiten war die Trennung der Schreibstube von dem Raum des Lagerältesten und der SS. Das war meine Arbeit in einigen Nächten. Die gezogene Trennwand war unten einschalig und oberhalb der Balkenlage doppelschalig. In diesen Zwischenraum hatte ich dann später die selbstgebastelten Handgranaten versteckt. Diese glaubten wir zu benötigen, da wir nicht wussten, was die SS beim Näherrücken der Front beabsichtigte, und wir hofften, dass die Partisanen das Lager von außen angreifen würden, sodass wir dann von innen helfen könnten.“

(Dr. Heinz Kahn)

 

Erschießungswand/Block 11 Auschwitz Stammlager

„Unter allen Blocks des Stammlagers Auschwitz unterschied sich jedoch einer völlig von allen anderen. In Anbetracht des düsteren Geheimnisses, von dem sein Inneres umgeben war, erweckte er im ganzen Lager Angst und Grauen. Dies war der berüchtigte Block 11, der sogenannte Todesblock. Von den übrigen Blocks durch eine Mauer getrennt, hütete er eifersüchtig seine Geheimnisse vor Augen und Ohren der Lagerbevölkerung. Er schloss bis zum April 1942 die Strafkompanie der Häftlinge ein. In seinem Kellergeschoß waren Bunkerzellen eingebaut, in denen Häftlinge für verschiedene Lagervergehen festgehalten wurden. Hier wurden auch Polizeihäftlinge eingesperrt, welche der Nazi-Sicherheitsdienst aus der umliegenden Gegend und aus Oberschlesien eingeliefert hatte. Diese warteten auf die Verhandlung vor dem Polizeistandgericht, die gewöhnlich mit einem Todesurteil endete. Auch wurden hier Häftlinge des Lagers erschossen.“

(Józef Kret in Kret 1995)

 

die Rampe Auschwitz Birkenau

„Wir kamen in Auschwitz mitten in der Nacht an: Scheinwerfer machten die Gegend taghell, dann scharfe Kommandos, Türen auf, aussteigen. Die schrien: sofort raus, sofort raus, raus. Man hat die Koffer gar nicht mehr mitnehmen können. In der Nacht haben die Ärzte schon entschieden, wer in welche Richtung zu gehen hatte. Wir mussten uns alle ausziehen und bekamen so eine Art Häftlingsuniform. Sie haben alte Leute und Kinder aussortiert.“

(Julius Bendof)

 

Stehzellen (im Keller des Blocks 11) Auschwitz Stammlager

„Auf allen vieren, anders hätte ich mich nicht hineinzwängen können, schob ich mich in die schwarze Öffnung der Stehzelle. Der Blockführer half mir bei dem unbeholfenen Hineintapsen in die schmale, nach Kot stinkende Zelle dadurch, dass er mich mit ganzer Kraft in das vorgestreckte Gesäß trat.

‘Schneller, schneller, du Hund!’ trieb er mich ungeduldig an. Es war nicht leicht, sich zwischen drei Menschen zu schieben, die auf so kleiner Fläche zusammengedrängt waren. Endlich! Der SS-Mann schloss das Türchen hinter mir, ich hörte, wie er den Schlüssel im Vorhängeschloss umdrehte. Durch eine Luftklappe oben an der Zelle sah ich, wie das Licht im Korridor ausging. Es wurde vollkommen dunkel und still, nur unterbrochen vom Zuschlagen der Tür des Haupteingangs in den Bunker. Jetzt erst lebte der Bunker auf. In der undurchdringlichen Dunkelheit spürte ich auf der Höhe meines Gesichtes den verbrachten Atem der drei übrigen Leidensgenossen. … Von ihnen erfuhr ich, dass sie seit zwei Tagen in dieser Zelle ohne Essen und Trinken stehen. Sie wurden für einen angeblichen Fluchtversuch aus dem Lager zur Strafe zum Stehbunker verurteilt. […]“

(Wieslaw Kielar in Kielar 1982)

 

Gaskammern Auschwitz Birkenau

„Am 3. März 1943 kamen in zwei Transporten 3.000 Personen in Auschwitz an. Davon kamen 585 Männer und 309 Frauen in das Lager. 2.100 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – wurden in der Gaskammer getötet. Das sind ungefähr so viele, wie bei der Katastrophe in New York im World Trade Center umkamen. Nur, dass diese Todesrate in Auschwitz täglich über Jahre hinaus erfüllt wurde.“

(Dr. Heinz Kahn)

 

Gaskammern Auschwitz Stammlager

„Eine kleine Leiter war an das Fenster des Krematoriums angelehnt. Auf der höchsten Sprosse stand ein SS-Mann. … Mit schnellem und gekonntem Griff legte er sich eine Gasmaske über das Gesicht, zog sich Handschuhe über und öffnete das Fensterchen. Er streckte sich, um hineinzuschauen und zog blitzschnell eine Papiertüte aus der Tasche. Mit einer Hand hielt er sich am Fensterrahmen fest, senkte den Kopf nach vorne und mit der anderen Hand schüttelte er den Inhalt der Tüte hinein – ein weißes Pulver – und schlug das Fensterchen zu. Im selben Augenblick vernahm man ein nahezu unmenschliches Stöhnen, ähnlich dem Heulen einer Sirene. Es währte vielleicht drei Minuten lang und wurde dann immer schwächer. Der SS-Mann sprang von der Leiter und verschwand dann hinter der Mauer.“

(Krystyna Zywulska.)

 

Häftlingskrankenbau Auschwitz Monowitz

„In meinen Unterlagen steht, dass ich im Häftlingskrankenhaus in Monowitz behandelt worden bin, und zwar vom 28. August 1943 bis zum 20. Oktober 1943. Ich hatte in dieser Zeit eine Reihe von Geschwüren. Meine Behandlung bestand darin, dass auf diese Geschwüre Salz gepackt wurde und ein paar Papierbinden darüber kamen. Um diese Zeit waren für Häftlinge keinerlei Verbandsstoffe mehr zu haben. Hätte ich etwas Ernsteres gehabt, wäre ich also wirklich ins Krankenhaus gekommen, dann wäre das mein Ende gewesen. Ich wäre sofort mit einem Lastwagen ins Todeslager Auschwitz-Birkenau überführt worden und dort vergast worden. Meinem Bruder ist es so ergangen.“

(Julius Bendorf)

 

Versuchsstation in Auschwitz Monowitz, Fünf Häftlinge aus Block 10 gaben zu Protokoll:

„Clauberg trat uns in allen Phasen der Experimente, die er selbst vornahm, niemals menschlich gegenüber, sondern er betrachtete uns ausschließlich als Versuchsobjekte. […] Da die Versuche an uns und unseren nicht mehr lebenden Kameradinnen derart an Umfang zunahmen, beschäftigte Clauberg als Hilfen bei diesen Experimenten keine Ärzte, sondern den Chemiker Dr. Goebels und einen Oberscharführer der SS, der von Beruf Friseur war. Mit diesen Männern gemeinsam führte Clauberg die Experimente durch. […] Neben den schweren körperlichen Schäden stehen die erheblich schwereren seelischen Schäden, die wir durch die Experimente erlitten haben. Wenn wir nicht von Clauberg sterilisiert worden wären, hätten wir Kinder bekommen können. Die seelische Belastung stellt neben den körperlichen eine grausame Bedeutung dar […].“

(Autor_in unbekannt)

 

Appellplatz Auschwitz Stammlager

“Plötzlich sagte ein neben mir gehender Kamerad, das halte er nicht aus. Er ging einen Schritt neben die Kolonne. Ein Schuss fiel. Der Schütze meldete, ein Häftling auf der Flucht erschossen. Der Kolonnenführer kam hinzu und schoss dem Toten noch eine Kugel in den Kopf, und wir marschierten weiter.”

(Dr. Heinz Kahn)

 

Häftlingsschreibstube Auschwitz Monowitz

„Die Jahreszeiten wechselten gemäß der Logik der Natur und erinnerten uns alle an die Existenz unveränderlicher Gesetze: der Sommer starb, und der Herbst verendete, der Winter brach in unser Leben ein und schlug uns mit der Peitsche des Frosts. Im Gegensatz zur Fabrik, in der angenehme Wärme herrschte, wurden die Baracken im Lager niemals geheizt – die Öfen in ihnen dienten als Tischersatz. Nach den Abendappellen, die sich endlos hinzogen, oder genauer gesagt, bis die Deutschen genug davon hatten, gab es keinen Ort, an dem wir uns hätten aufwärmen können. Wir schliefen, ohne uns auszuziehen, manchmal sogar ohne die Schuhe abzu-legen. Die Nächte brachten Leid mit sich, aber am schwersten war für mich der Moment des Erwachens. Er verlangte mir eine Entscheidung ab. Um fünf Uhr früh, wenn uns die Pfeife des Blockältesten weckte, musste ich entscheiden, jedesmal von neuem, ob ich kämpfen oder aufgeben würde.”

(Roman Frister)

 

Häftlingsküche Auschwitz Stammlager

„Die Lagerrationen waren so klein, dass man davon schwächer und schwächer wurde. Wir haben Lebensmittel von den Leuten genommen – vor allem Konserven. Das war geduldet. Die Menschen haben diese Dosen in den Entkleidungsräumen gelassen, bevor sie in die Gaskammern geschickt wurden.“

(Henryk Mandelbaum)

 

der Schwarzmarkt

„Jeder hat geschmuggelt. Alles, was es gab. Alles was ging. Wir haben darüber nicht gesprochen, kein Wort. Im Sonderkommando waren Franzosen, Griechen, Polen … Wir hatten kein Vertrauen zueinander. Jeder hat alles für sich alleine gemacht. Jeder hatte sein Risiko selber zu tragen. Wir vom Sonderkommando konnten uns regelmäßig waschen, die anderen Häftlinge hatten diese Möglichkeit nicht.“

(Henryk Mandelbaum)

 

„Kanada“ (Effektenlager) – Auschwitz-Birkenau

„Alle Kleidersäume mussten nach verborgenen Wertsachen abgetastet werden. Auf Gold, Dollars, Diamanten und andere Edelsteine wartete das Deutsche Reich. Beute dieser Art wurde in Decken oder Säckeweise weggeschafft. Obwohl der Tod darauf stand, wenn jemand im Besitz solcher Sachen angetroffen wurde, lieferten meine Freundinnen und ich niemals ab. .Wann immer sich eine Möglichkeit bot, übergaben wir solche Dinge männlichen Häftlingen, zu denen wir Verbindung aufnehmen konnten. Sie hatten ihrerseits wieder Kontakt mit der Untergrundbewegung draußen und händigten ihr diese Wertsachen aus. Wir hofften, dass damit Waffen und Munition für einen künftigen Aufstand beschafft werde könnten.“

(Henryk Mandelbaum)

 

Gaskammer Auschwitz-Birkenau

„Wir haben keine Koffer gesehen im Lager. Die Koffer sind auf der Rampe geblieben. Die Menschen sind in die Gaskammern so gekommen, als würden sie zum Duschen gehen. Sie hatten Seife, ein Handtuch vielleicht Unterwäsche, eine Zahnbürste bei sich. Und- falls sie darüber verfügten – Geld, Schmuck, Wertgegenstände. Wir mussten die Leichen nach diesen Wertgegenständen untersuchen. Wenn keiner von der SS da war, haben wir das nicht gemacht.“

(Henryk Mandelbaum)

 

Auschwitz-Monowitz

„Das Lager Monowitz, das für die IG-Farben Buna erzeugen sollte, bestand noch nicht lange. Die Häftlinge mussten es in Handarbeit aufbauen […] Das Lager diente vorwiegend den Produktionsaufgaben der IG-Farben. Was mich da erwartete, war nun wirklich entsetzlich, etwas ganz anderes, als ich vorher erlebt hatte. Ich sah also z.B. auch Hinrichtungen hier, dem sogenannten Lager IV, in dem weitgehend die IG-Farben für ihre Produktion Menschen durch Arbeit vernichtete.

(Henryk Mandelbaum)

 

das Bordell Auschwitz Stammlager

„Ich hatte von einem Kapo gehört, dass es Bordelle gab […]. Und wenn diese Frauenhäftlinge „ausgeleiert“ waren, hat man sie erschossen und dann kam ein neuer Transport. Drei Wochen hatten wir „Schonzeit“ weil wir zum Skelett abgemagert waren. Als ich wieder gesund war und dann doch ran musste, wollte ich nicht mehr. Ich überlegte dauernd wie geht es am besten Schluss zu machen. Ich habe es dann nicht gemacht. […] Wir mussten nun jeden Abend acht Männer über und rübersteigen lassen, innerhalb von zwei Stunden.“

(Margarete W.)

 

Lagerorchester/Mädchenorchester Auschwitz-Birkenau

„Aber es kam noch schlimmer. Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische Menschen aus allen Teilen Europas saßen, die auf den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein. Das war die Taktik der Nazis. Sie wollten, dass all die Menschen ohne Kampf in den Tod gehen. Wir aber wussten, wohin sie fuhren. Mit Tränen in den Augen spielten wir. Wir hätten uns nicht dagegen wehren können, denn hinter uns standen die SS-Schergen mit ihren Gewehren.“

(Esther Bejarano)

 

“Zigeunerlager” Auschwitz-Birkenau

„Die Kinder waren wie die Erwachsenen nur noch Haut und Knochen, ohne Muskeln und ohne Fett. Entzündungen und Krätze bedeckten die unterernährten Körper. Die Kiefer waren ausgehöhlt, Zunge und Zähne konnte man durch die Löcher in den Wangen sehen. Bis spät in die Nacht hörte ich ihre Schreie und wusste, dass sie sich wehrten. Die Zigeuner schrien die ganze Nacht. Sie haben bis zuletzt um ihr Leben gekämpft.“

(Autor_in unbekannt)

 

Transporte Auschwitz-Birkenau

„Die Fahrt führte uns über Berlin nach Auschwitz, wo dann die Türen aufgerissen wurden. Es war abends gegen 09.00Uhr, als uns die Befehle erreichten, sofort aus den Wagen herauszukommen, Gepäck stehen zu lassen und Männer rechts und Frauen links Aufstellung zu nehmen. Das ganze Gelände war von Scheinwerfern taghell erleuchtet, obwohl im ganzen Reich Verdunklungsvorschriften herrschten.“

(Dr. Kahn)

 

Hygieneraum Auschwitz Monowitz

“Anschließend mussten wir uns entkleiden. Lediglich Schuhe und Gürtel durften wir behalten. Es wurden uns sämtliche Haare abgeschnitten. Wir wurden mir einer ekelhaften Brühe desinfiziert – wie es genannt wurde –, und wir wurden geduscht und zum Abtrocknen auf den Appellplatz getrieben. Es war etwa minus 15 Grad kalt, also nicht gerade angenehm. Nach einer Weile kam ein Blockältester, suchte sich zehn Häftlinge aus, unter denen auch ich war, ging mit uns in seinen Block, und jeder erhielt ein Bündel Kleider, bestehend aus Hemd, Jacke, Fußlappen oder Strümpfe und eine Mütze. Der Blockälteste gestattete uns, passende Kleidungsstücke auszutauschen und sagte uns, wir sollten uns ein Bett aussuchen.”

(Autor_in unbekannt)